Sebastian Krämer ist Liedermacher, Pianist und einer der eigenwilligsten Köpfe im deutschsprachigen Chanson. Seit Jahren begeistert er ein treues Publikum, das ihm folgt… auch wenn, oder gerade weil, man nie ganz sicher ist, wohin die Reise geht. Seine Lieder führen ein Doppelleben: Eine Melodie, die einlädt – und einen Text, der plötzlich zuschnappt. Krämer ist kein Liedermacher, der es bei der schönen Oberfläche belässt: Irgendwo zwischen der ersten und der letzten Zeile dreht sich etwas um. Da sitzt man sitzt und denkt: Moment. Hat er das gerade wirklich gesagt? Hat er.
In seinem neuen Programm Gesänge auf der Falltür ist die Falltür nicht nur Metapher, sondern Prinzip. Krämer breitet über die Abgründe des Lebens – Hingabe, Schrecken, Trauer, Sehnsucht – sorgsam seine ornamentreichen musikalischen Teppiche aus. Wer draufsteht, fühlt sich zunächst gut aufgehoben. Bis es klappt. Nicht immer öffnet sich die Falltür schon im Saal – manchmal schlägt sie erst nachts zu, wenn man längst im Bett liegt und plötzlich: Pardauz.
Das ist saukomisch, mit jener Präzision, die einen Witz erst beim dritten Nachdenken richtig trifft. Melancholie und doppelbödigem Humor gehen bei ihm Hand in Hand, und das Publikum darf beides gleichzeitig haben: lachen und innehalten, schunkeln und grübeln.



